Verlauf des Projektes

Die Idee Stolpersteine auch nach Krefeld zu holen, stammt aus der Rheinischen Schule für Körperbehinderte Krefeld (Gerd Jansen-Schule). Eine Klasse beteiligte sich im Herbst 2003 an dem Wettbewerb der Bundeszentrale für Politische Bildung innerhalb des Themenkreises "Spuren des Nationalsozialismus". Sie beschäftigten sich mit dem Schicksal von Richard und Karl Merländer. Die Schülerinnen und Schüler schlugen Stolpersteine zur Erinnerung an diese beiden vor.

Fast gleichzeitig erfolgte eine Einladung an Gunter Demnig in die Kurt Tucholsky-Gesamtschule. Nach der Veranstaltung am 23. Januar 2004 erschien ein Artikel in der Westdeutschen Zeitung, der Nachfragen weiterer Schulen, Organisationen und einiger Bürgerinnen und Bürger nach sich zog. Nach Einwänden von Vorstandsmitgliedern der jüdischen Gemeinde im Sommer 2004 beschloss der Vorstand des Villa Merländer e.V., das Projekt Stolpersteine bis auf weiteres nicht zu voran zu treiben. Im Oktober 2005 wurde eine erneute Debatte durch eine Anfrage von Ursula Willcox (Westdeutsche Zeitung) ausgelöst, die sich nach dem Stand des Projektes erkundigte. Danach sollte eine Beschlussfassung in der Hauptausschuss/Ratssitzung am 3. November 2005 erfolgen. Mit der Mehrheit der Stimmen der Ratsmitglieder wurde die Verlegung von Stolpersteinen in Krefeld abgelehnt.

In Folge der überraschenden Ablehnung des Projektes durch den Stadtrat bildete sich eine Initiative, die die Möglichkeiten der Gemeindeordnung in NRW zur direkten Demokratie nutzen wollte. Nach der Gemeindeordnung können die Bürgerinnen und Bürger in den Kommunen über Projekte nämlich auch selbst entscheiden. Für einen Bürgerentscheid müssen allerdings unterstützende Unterschriften gesammelt werden, damit es zunächst ein Bürgerbegehren gibt. Für diese Sammelaktion gibt es Fristen, die in diesem Fall ausgerechnet in den kältesten Monaten der Jahreswende 2005/06 liefen. So wurde das Unterschriftensammeln an Infoständen in der Fußgängerzone eine echte Herausforderung.

Die Initiative, die nun ganz wesentlich von den Überlebenden Dr. Ruth Frank und Ilse Kassel sowie Schülerinnen und Schülern plus Lehrerinnen und Lehrern der Kurt-Tucholsky-Schule getragen wurde, war trotz widriger Umstände erfolgreich. Dem Oberbürgermeister konnten 14.000 Unterschriften überreicht werden — weit mehr als nötig. Auf dieser Basis schlossen die Initiative und der Oberbürgermeister Gregor Kathstede einen Kompromiss: in Krefeld konnten Stolpersteine nunmehr verlegt werden, wenn die Hauseigentümer sich nicht ausdrücklich dagegen aussprachen und auch nahe Verwandte der Opfer keine Einwände hatten. Dieses Verfahren stellte sich als langwierig und aufwendig heraus. Es überforderte den losen Verbund der Stolperstein-Initiative.

Der Villa Merländer e.V. erklärte sich schließlich bereit, die organisatorische Seite der Spendenannahme und Weiterleitung zu übernehmen. 
Seit 2014 koordiniert Sibylle Kühne-Franken, Vorstandsmitglied des Villa Merländer e.V., die Steinverlegungen in Krefeld. Insgesamt konnten bis zum Mai 2017 in sechs Aktionen 118 Steine verlegt werden. Die nächste Runde soll am 2. Februar 2018 stattfinden. Hier sind genug Schicksale aufgeklärt worden und die formalen Voraussetzungen sind erfüllt.

Kontakt: stolpersteine-krefeld(at)gmx.de 

Doppelpremiere am 16. Februar 2016 bei den Stolpersteinen in Krefeld. Bei der 5. Runde nahm zum ersten Mal ein Oberbürgermeister teil und die ersten Steine in Uerdingen wurden verlegt. Oberbürgermeister Meyer, Hans Rabanus und Bezirksvorsteher Jürgen Hengst blicken auf die Steine für die Familie Daniels.