Heinrich Campendonk

Heinrich Campendonk wurde 1889 in Krefeld geboren. Sein Vater war Kaufmann, die Mutter Hausfrau. Die Familie wohnte an der Kronprinzenstraße, heute Philadelphiastraße. Heinrich, das einzige Kind, entwickelte früh ein ausgeprägtes Interesse am Zeichnen und Malen. Nur widerstrebend erlaubten die Eltern, dass der begabte Sohn die neu eingerichtete "Handwerker- und Kunstgewerbeschule zu Crefeld" besuchte. Dort fand er in seinem Lehrer Johan Thorn Prikker einen Freund und Förderer.

1911 zog Heinrich Campendonk nach Bayern. Er folgte einer Einladung von Wassily Kandinsky. Kandinsky hatte Campendonks Talent erkannt. Er machte dem jungen Mann das Angebot, sich der Gruppe "Der blaue Reiter" anzuschließen. Die folgenden Jahre in München und Sindelsdorf waren eine sehr schöpferische Zeit für Heinrich Campendonk. Die international zusammengesetzte Gruppe fiel allerdings schon 1914 auseinander. Der erste Weltkrieg machte sie zu Kriegsgegnern.

Heinrich Campendonk litt schon in jungen Jahren an Rheuma. Deswegen war er nicht tauglich für den Kriegsdienst. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wollte er schließlich ins Rheinland zurückkehren. Der Kunstmäzen Paul Multhaupt stellte Heinrich Campendonk ein extra für ihn gebautes Haus in Krefeld zur Verfügung. So unterstützt konnte der Maler für sich und seine kleine Familie — Frau Adda, Tochter Gerda und Sohn Herbert — den restlichen Lebensunterhalt verdienen. Zu den damals in Krefeld entstandenen Arbeiten gehören zum Beispiel auch die Wand- und Deckengemälde und die Bemalung der Arbeitszimmermöbel des Seidenhändlers Richard Merländer.

Die materielle Situation besserte sich 1926, als Heinrich Campendonk Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf wurde. Er übernahm die Meisterklasse für Wandmalerei, Glasmalerei, Mosaik und Gobelinweberei. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurde Heinrich Campendonk aus politischen Gründen zunächst beurlaubt, 1934 aus dem Staatsdienst entlassen.

Er ging nach Belgien, später in die Niederlande, ins Exil. 1935 berief man ihn dort als Professor an die Reichsakademie in Amsterdam. Seine Werke wurden unterdessen in Deutschland als unerwünscht eingestuft und aus den öffentlichen Sammlungen entfernt. Mindestens ein Bild wurde in der berüchtigten Wanderausstellung "Entartete Kunst" bloßgestellt.

Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die Niederlande konnte Heinrich Campendonk relativ unbehelligt weiterarbeiten. Seine Gesundheit nahm allerdings Schaden, als er zum nächtlichen Wachtdienst der "Deutschen Schutztruppe" eingezogen wurde. Der doppelten Belastung durch Beruf und Dienst war Heinrich Campendonk nicht gewachsen. Die letzten Monate des Krieges verbrachte er im Versteck.

Als der Krieg zu Ende war, fasste Heinrich Campendonk neuen Mut. Schon im Winter 1945 wurden seine Bilder wieder im Kunstmuseum seiner Heimatstadt Krefeld gezeigt.

Neue Werke entstanden, zum Beispiel Entwürfe für ein Nordfenster des Kölner Doms. Es gab konkrete Verhandlungen, Heinrich Campendonk wieder an den Niederrhein zu holen. Die Gespräche scheiterten — zu hoch waren die bürokratischen Hindernisse für den niederländischen Staatsbürger, zu tief das Misstrauen des häufig Enttäuschten, nochmals Entbehrungen auf sich nehmen zu müssen. Indessen verschlimmerte sich sein Rheuma. Die Schmerzen setzten seiner Kreativität zunehmend engere Grenzen.

Am 9. Mai 1957 starb der Künstler in Amsterdam. Dort ist er auch begraben. Heute zählt Heinrich Campendonk zu den wenigen deutschen Expressionisten mit internationaler Anerkennung. Seinen Werken kann man in allen Kunstmuseen der Welt begegnen.

Sprecherin: Dr. Ingrid Schupetta
Autorin: Dr. Ingrid Schupetta
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Weiterlesen:
Rausch und Reduktion. Heinrich Campendonk 1889 - 1957, (Katalog) Köln 2007.