Stadtehrenplakette für Claudia Flümann

Ehrennadel ist für den Anzug gedacht ...

Eine große Ehrung durch die Stadt Krefeld erfuhr Claudia Flümann, promovierte Historikerin, durch den Oberbürgermeister der Stadt, Frank Meyer, am 5. Februar 2019. Die Stadtehrenplakette wird nur relativ selten verliehen. Sie gibt es für Persönlichkeiten oder Vereinigungen, die auf politischem, künstlerischem, sportlichem, wissenschaftlichem, wirtschaftlichem oder sozialem Gebiet das Ansehen der Stadt Krefeld oder das Wohl ihrer Bürger/innen besonders gefördert haben.

In seiner Laudatio hob Bürgermeister Meyer hervor, dass Dr. Flümann in 6-jähriger Arbeit ein detailreiches Werk über die „Arisierung“ in Krefeld und die Entschädigung für die Opfer verfasst hat. Sie zeigte auf, dass das Unrecht aus der Mitte der Gesellschaft entsprang. Es endete auch nach dem Krieg nicht. Obwohl sich nun niemand damit mehr herausreden konnte, dass er unter Zwang handeln musste, wurden den Opfern, beziehungsweise ihren Erben, bürokratische Hürden in den Weg gestellt. In vielen Fällen führte das praktisch zu einer zweiten Enteignung. Die Begründungen lassen dem Leser und der Leserin von „… doch nicht bei uns in Krefeld“ die Haare zu Berge stehen. Sie belegen einen erschreckenden Mangel am Einfühlungsvermögen.

Mit ihrer Forschung hat Dr. Flümann das Ansehen der Stadt gefördert. Sie beschrieb ein Kapitel der Stadtgeschichte, wie es noch niemand vor ihr getan hat. Niemand kann sich auf den Lorbeeren für die religiöse Toleranz der Stadtgesellschaft im 19. und frühen 20. Jahrhundert ausruhen. Dr. Flümann zeigte auf, wie dünn die Schicht der Zivilisation war – und möglicherweise immer noch ist.

Claudia Flümann bedankte sich für die Ehrung. Sie wies darauf hin, dass die Auszeichnung eigentlich auch den vielen Einzelpersonen und Vereinen (zum Beispiel dem Villa Merländer e.V., dem Verein für Heimatkunde, der Geschichtswerkstatt Krefeld e.V., der Bürgergemeinschaft Bismarckviertel) gelten müsste. Was heute einheitliche Haltung aller Ratsmitglieder der Stadt ist, wurde viele Jahre lang erkämpft. Sie erinnerte daran, dass das frischgegründete NS-Dokumentationszentrum der Stadt Mitte der 1990er Jahre zur Disposition stand. Die Rettung gelang zwar, doch über Jahre wurde die Institution so knapp finanziert, dass sie ohne das Bürger*innenengagement praktisch handlungsunfähig war. Da bedurfte es ihrer Initiative, um die erst Ende der 1990er Jahre freigegebenen Entschädigungsakten zu sichten und auszuwerten.

Die Verleihung der Plakette, der Urkunde und der Nadel erfolgte in festlichem Rahmen im alten Ratssaal der Stadt. Musikalisch begleitet wurde sie durch den 10-jährigen Benjamin Szajer. Da Frau Dr. Flümann inzwischen Vorstandsmitglied im Villa Merländer e.V. ist, war fast der ganze Vorstand anwesend. Der im Anschluss stattfindende Empfang wurde zum lockeren Gespräch unter anderem mit Oberbürgermeister Meyer genutzt.

Kleines Detail am Rande: die Ehrennadel ist als Nadel für den Anzug gedacht. Ein Indiz, dass noch nicht besonders viele Frauen so ausgezeichnet wurden …


Auf dieser Seite informieren wir Sie fallweise über aktuelle Begebenheiten oder Informationen aus dem Verein oder aus der NS-Dokumentationsstelle!

Wenn Sie zusätzlich in unregelmäßigen Abständen per E-Mail informiert werden wollen, reicht eine Mail an:
ns-doku(at)krefeld.de (Thema / Betreff: Kurz und Knapp - ja bitte).