Nachruf | Ruth Elcott geb. Meyer gestorben (1921 - 2017)

Am Freitag der vergangenen Woche ist Ruth Elcott geb Meyer gestorben.

Am Freitag der vergangenen Woche (17.2.2017) ist Ruth Elcott geb Meyer gestorben. Im Kreise von dreißig Familienmitgliedern, Kindern, Enkeln und Urenkeln, schloss sie friedlich die Augen. Die NS-Dokumentationsstelle in Krefeld trauert um eine starke Frau, die ihr Leben und das ihrer Familie dem Nationalsozialismus abtrotzte. Ihre Kraft bezog die gebürtige Krefelderin aus einem unbändigem Drang nach Leben und ihrer religiösen Überzeugung als Jüdin.

Ihr starker Willen zeigte sich, als sie am 21. April 1939 - bei der Flucht von Deutschland nach Großbritannien-, mit Papieren unterwegs war, die sie selber "korrigiert" hatte. Eigentlich wäre einige Monate zu jung gewesen, um eine Einreiseerlaubnis als Landwirtschaftshelferin zu bekommen. Doch es gelang. In England angekommen, hielt sie sich mit der zugewiesenen Tätigkeit nicht lange auf, sondern begann die Behörden zu belagern, bis sie ihre Mutter, ihren Vater und ihre jüngere Schwester am 2. August 1939 aus Deutschland herausbekam. Nur die Rettung der Großmutter Emilie gelang der 18-jährigen nicht mehr rechtzeitig. Emilie Meyer wurde 1942 in Treblinka ermordet.

Vor Ihrer Flucht hatte Ruth Meyer Kontakt zu einem jungen Mann, der für Merländer, Strauß und Co. arbeitete. Er schenkte ihr zwei Stückchen Seidenstoff, die sie sorgsam aufbewahrte. Bei einem ihrer vielen Besuche in Krefeld - eine Clique von Schülerinnen der heutigen Ricarda-Huch-Schule hielt über Kontinente und Jahrzehnte zusammen - übergab sie Frau Dr. Schupetta die Seide für die Sammlung in der Villa Merländer.

In einer anderen Vitrine finden sich weitere Andenken an die junge Ruth Meyer. Sie überlegte sich ihrerzeit, dass sie auf jeden Fall irgendwann aus Nazi-Deutschland auswandern wollte. Möglicherweise hätte sie sich dann sprachlich nicht mehr verständigen können. In der Konsequenz lernte sie Filzblumen zur Verzierung von Hüten herzustellen. Zwei der damaligen Versuche schenkte sie ebenfalls der Villa.

Ruth Meyer schrieb seit 1935 Tagebuch. Auch dieses Tagebuch kommt in der Ständigen Ausstellung in der Villa Merländer vor. Die Passage über die Zerstörungen in dem Familienhaus an der Friedrich-Ebert-Str. 23 wurden von einer jungen Schauspielerin eingelesen und können in einer Video-Sequenz aufgerufen werden. Mit der Übergabe des Tagebuchs schließt sich jetzt ein Kreis. Das Original ging nach dem Tod von Ruth Elcott an ihren Enkel Noah. Er hat als einer der wenigen Nachfahren in der dritten Generation Deutsch gelernt. Die damals 14-jährige richtete sich auf den Vorblatt des Tagebuchs direkt an ihre Nachfahren: "Die Zeit ist so schwer, wie ich nicht hier rein schreiben kann. Vielleicht seit ihr dann, was ich von Herzen wünsche, in Palästina, dem Land unserer Hoffnung. Vielleicht seit ihr auch mit beschäftigt an der großen Arbeit an der sich jeder gesunde, arbeitskräftige Jude beteiligen soll!"

Nun, mit Palästina wurde es nichts, aber gemeinsam mit ihrem fantastischen Mann Eddy gründete eine sie eine große, glückliche, jüdische Familie in den USA. Fast hätte das Paar den 75. Hochzeitstag erreicht! In dem Sinne besiegte die unglaubliche Ruth Elcott am Ende Adolf Hitler.


Auf dieser Seite informieren wir Sie fallweise über aktuelle Begebenheiten oder Informationen aus dem Verein oder aus der NS-Dokumentationsstelle!

Wenn Sie zusätzlich in unregelmäßigen Abständen per E-Mail informiert werden wollen, reicht eine Mail an:
ns-doku(at)krefeld.de (Thema / Betreff: Kurz und Knapp - ja bitte).