Lebensläufe der neuzeitlichen Märtyrer im Dom St. Viktor in Xanten

Heinz Bello
Heinz Bello war Medizinstudent. Er wuchs in Wesel in einem christlichen Elternhaus auf, das der katholischen Zentrums-Partei nahestand. Einen Tag vor seinem medizinischen Vorexamen in Münster wurde er durch einen Fehler seiner Vorgesetzten gleich zu zwei nächtlichen Brandwachen eingeteilt. In einem Wutausbruch beschimpfte er die Vertreter des Militärs, des NS-Regimes und den Nationalsozialismus im Allgemeinen. Dies wurde von Kameraden seiner Studentenkompanie denunziert.
Ein Kriegsgericht verurteilte den 24-jährigen wegen so genannter Wehrkraftzersetzung zum Tode. Er wurde 1944 in Berlin-Tegel erschossen.

Karl Leisner
Karl Leisner war katholischer Geistlicher. Er wuchs in Kleve auf und studierte Theologie in Münster und Freiburg. 1939 wurde er bei der Gestapo denunziert. Ein Vertrauter hatte öffentlich angedeutet, dass Leisner das Hitler-Attentat Georg Elsers gut hieß. Das Ergebnis war die Festnahme Karl Leisners. Ab 1940 saß er im Dachau ein.
Auf Grund der Lagerbedingungen brach eine schon überwunden geglaubte Tuberkulose wieder aus. Der vom Tod bereits Gezeichnete wurde von dem französischen Mithäftling Bischof Gabriel Piguet in der Lagerkapelle von Dachau zum Priester geweiht. Karl Leisner starb wenige Monate nach der Befreiung im August 1945.
<siehe Tipp ganz unten>

Gerhard Storm
Gerhard Storm war Kaplan, Religionslehrer und Redakteur einer Kirchenzeitung für den nördlichen Niederrhein. Er stammte aus Haldern; Lehrer war er in Emmerich. Wegen seiner Jugend- und Pressearbeit geriet Gerhard Storm immer wieder ins Visier der Gestapo.
1942 wurde von einem Polizeibeamten auftragsgemäß eine Predigt mitgeschrieben, die der Kaplan in der St. Aldegundis-Kirche hielt. Storm äußerte er sich kritisch über Positionen des NS-Staates in Bezug auf Ehe und Familie. Weil die Gestapo dies als "tendenziöse Hetzpredigt" und Anschlag auf den "Siegeswillen" der Bevölkerung einstufte, wurde Kaplan Storm verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Der Geistliche war zu diesem Zeitpunkt 60 Jahre alt. Eine Ansteckung mit Typhus führte dazu, dass er schon vier Wochen nach seiner Einlieferung starb.

Wilhelm Frede
Wilhelm Frede war stellvertretender niederländischer Konsul in Kleve. In den 1920er Jahren war er politisch aktiv gewesen und hatte sich für die Zentrumspartei eingesetzt. Während der NS-Zeit fiel Frede als überzeugter Katholik auf, der sich auch für die verfolgten Juden aussprach.
Nach dem deutschen Überfall auf die Niederlande wurde das Konsulat durch eine Hilfsstelle für Niederländer ersetzt, deren Leitung Frede im Auftrag des neutralen Schweden übernahm. Diese Andeutung eines diplomatischen Schutzes erwies sich als zu schwach. 1941 wurde Wilhelm Frede von der Gestapo verhaftet. Als Haftgrund gab man an, Frede wäre einem Gestellungsbefehlt nicht nachgekommen. Bei Verhören wurde ihm seine Weigerung zur NSDAP zu wechseln vorgehalten. Auch seine Hilfe für einen jüdischen Nachbarn während des Novemberpogroms kam zur Sprache.
Auf Antrag der Gestapo in Düsseldorf beim Reichssicherheitshauptamt wurde Wilhelm Frede in das KZ Sachsenhausen überstellt. Der 66-Jährige starb nach wenigen Wochen. Seine Leiche wurde eingeäschert.

Nikolaus Groß
Nikolaus Groß war Bergmann und engagierte sich in der katholischen Arbeiterbewegung. Er stammte aus einem kleinen Ort, der heute zu Hattingen gehört. 1927 wurde er Schriftleiter der Westdeutschen Arbeiterzeitung. Sein Lebensschwerpunkt verlagerte sich nach Köln. Den Nationalsozialismus hielt er für unvereinbar mit der katholischen Weltanschauung. Groß bewegte sich in einem Zirkel katholischer Oppositioneller, der überregionale Kontakte zu anderen Widerstandsorganisationen hatte. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde er verhaftet und vom so genannten Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, obwohl man ihm schlimmstenfalls eine oppositionelle Haltung und ein vages Wissen vorwerfen konnte. Er wurde in der Haftanstalt in Berlin-Plötzensee erhängt. Seine Leiche wurde verbrannt und über den Rieselfeldern bei Berlin verstreut.

Es ist seine Bergmannslaterne, die in der Krypta ein ewiges Licht spendet.

Wilhelm Frede
Prof. Dr. Johannes Maria Verweyen war Hochschullehrer und unterrichte als außerordentlicher Professor Philosophie an der Universität in Bonn. Er wuchs in Kleve auf. Nachdem er Mitglied verschiedener Religionsgemeinschaft gewesen war, kehrte Dr. Verweyen Mitte der 1930er Jahre in die katholische Kirche zurück. Bereits zu Beginn der NS-Diktatur war er als Professor entlassen worden. Seinen Lebensunterhalt verdiente er danach als Buchautor und Vortragsreisender. In diesem Zusammenhang fiel er der Gestapo Düsseldorf auf, insbesondere weil er die Rassetheorie der Nazis aus katholischer Sicht verwarf.
Im Sommer 1941 wurde er während einer Vortragsreise in Frankfurt verhaftet, 1942 in das KZ Sachsenhausen eingeliefert. Im Februar 1945 brachte man ihn in das KZ Bergen-Belsen, wo er am 21. März 1945 an Fleckfieber starb – drei Wochen vor der Befreiung des Lagers.


Sprecherin: Dr. Ingrid Schupetta
Autorin: Dr. Ingrid Schupetta
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Weiterlesen:
Helmut Moll (Hg.), Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Bd. 1, Paderborn 2000.

Tipp: siehe Kevelaer
Die Priesterweihe von Karl Leisner wird auf einer Pforte an der Marienbasilika in Kevelaer dargestellt. Sie ist eine weitere Arbeit von Bert Gerresheim.