Die Gedenkstätte an den kirchlichen Widerstand in der Krypta des Doms St. Viktor in Xanten

Der Xantener Dom ist dem Heiligen Viktor geweiht. Nach der Legende gab es im 3. oder 4. Jahrhundert einen römischen Soldaten dieses Namens. Er und seine Männer waren zum Christentum übergetreten. Sie weigerten sich, den alten Göttern Opfer darzubringen. Das war ein Grund für den Kaiser die Ungehorsamen zu verfolgen und ermorden zu lassen. Den heiligen Viktor und einige seiner Gefährten sollen römische Soldaten bei Xanten-Birten getötet und in den Sumpf geworfen haben.

Weil er seinem Glauben sein Leben geopfert hatte, wurde Viktor von den Christen schon bald als Heiliger verehrt. Was unterdessen mit seinen sterblichen Überresten geschah, ist nicht im Einzelnen belegbar. Sicher ist, dass es seit dem 12. Jahrhundert einen Schrein gibt, in dem sie aufbewahrt werden sollen. Der Schrein ist heute Teil des Hochaltars im Xantener Dom.


Bei archäologischen Untersuchungen unter dem Kirchengebäude wurden 1933 Reste einer ungewöhnlichen doppelten Grabanlage gefunden. Es ergaben sich Anzeichen, dass die dort bestatteten Männer erschlagen worden waren. Für viele Gläubige steht fest, dass es sich um die Gräber von St. Viktor und eines seiner Gefährten handelt.

Es wurde eine Krypta eingerichtet und ein öffentlicher Zugang geschaffen. In seiner Predigt zur Einweihung im Februar 1936 wies der zuständige Bischof von Münster, August Graf von Galen, darauf hin, dass unter der Nazi-Diktatur Katholiken erneut zu Märtyrern gemacht würden. Dieses Los gälte es anzunehmen. Er sagte:

"Aber wenn wir gleich jenen Heiligen vor die Frage gestellt werden, zu wählen zwischen irdischem Glück und Bekenntnis des Glaubens, zu wählen zwischen Götzendienst und Tod, dann wollen wir wie unsere tapferen Vorbilder mit Gottes Gnade feststehen im Glauben, dann wollen wir wie jene lieber in den Tod gehen als sündigen."

In seiner Predigt nannte Bischof Graf von Galen Namen bedrängter Katholiken. Trotz eines Vertrages zwischen NS-Staat und Vatikan, Konkordat genannt, kam es immer wieder zu Konflikten, zu Verhören, Strafen, Gerichtsverfahren, sogar zu Einweisungen praktizierender Katholiken in Konzentrationslager. Nicht wenige Kapläne und Priester starben in Dachau und in Auschwitz.


20 Jahre nach dem Ende des NS-Regimes wurde die Krypta im Xantener Dom erweitert, um Raum für die Erinnerung an den katholischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu schaffen.
Feste Bestandteile wurden Urnen mit Erde und Asche aus den Konzentrations- und Vernichtungslagern Auschwitz, Bergen-Belsen und Dachau. Ihre letzte Ruhestätte fanden hier Heinz Bello, Karl Leisner und Gerhard Storm.

Gegenstände und Texte erinnern an Wilhelm Frede, Nikolaus Groß und Johannes Maria Verweyen. Sie sind Stellvertreter für die neuzeitlichen Märtyrer, so genannte Blutzeugen, des Katholizismus.


Seit einigen Jahren befindet sich auch eine Reliquie Kardinal Graf von Galens in der Krypta. Der frühere Bischof von Münster wurde insbesondere dadurch bekannt, dass er sich während der NS-Zeit in öffentlichen Predigten gegen den staatlich organisierten Mord an den Behinderten aussprach. Durch seine Stellung als Kardinal war er vor dem unmittelbaren Zugriff des NS-Staates einigermaßen geschützt. Trotzdem ging er ein hohes persönliches Risiko ein, als er den Mord auch Mord nannte und sogar anzuzeigen versuchte.

Sprecher: Wolfgang Reinke
Autorin: Dr. Ingrid Schupetta
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Weiterlesen:
Predigt des Bischoffs Graf von Galen vom 9. Februar 1936 in Xanten unter www.st-paulus-dom.info