Das "Tor der Toten" – Mahnmal für die Kriegstoten aus Rheinberg
Wenn man die Kirche St. Peter in Rheinberg passiert hat, ist das Mahnmal "Tor der Toten" kaum noch zu übersehen. Auf der alten Wallanlage, die die Stadt Rheinberg einst umschloss, ragen zwei Betonstelen 12 Meter hoch in den Himmel. Zwischen den sinnbildlichen Torflügeln — oder, je nach Auslegung, auch betenden Händen — befindet sich eine Art Bronzetor. Auch dieses ist mit einer Fläche von 3 Metern Breite und 2,5 Metern Höhe nicht eben klein. Während man sich nähert, werden auf der Bronze drei Kreuze erkennbar.
Die Fläche zwischen den Säulen ist begehbar. Mit einiger Mühe ist auf der Rückseite des Bronzeschildes folgender Text zu entziffern:
Wir sind Euch vorausgegangen in schwerer Zeit. Denkt an uns und seht den Willen dessen, der gibt und nimmt.
Aus diesem Text ist nicht nachzuvollziehen, um was es sich bei der Anlage handelt. Auch die Betrachtung der kleineren Kunstwerke im Inneren hilft nicht. Zentral ist dort ein viereckiger Stein, der vermutlich innen einen Hohlraum hat. Jedenfalls ist er in der Mitte mit einem viereckigen Bronzestück verschlossen.
Genaueres Nachforschen im Rheinberger Archiv bestätigt diese Annahme. Tatsächlich enthält der Stein eine Pergamentrolle mit 650 Namen aus Rheinberg. Zusammengefasst handelt es sich um 300 Gefallene, 95 vermisste Soldaten, 60 zivile Opfer und Bombentote, 20 Fluchttote und zehn Tote in Konzentrationslagern.
Keine Erwähnung finden an dieser Stelle die Menschen, die in dem so genannten Rheinwiesenlager vor allem im Frühjahr 1945 ums Leben kamen. Die Informationen über das ehemalige Lager im Gelände um die Annakirche sind eher spärlich.
Es war eines von zwanzig Lagern, die die Amerikaner auf der linken Rheinseite anlegten. Zu den Gefangenen gehörten vor allem deutsche Soldaten, aber auch Hitlerjungen und andere Uniformträger. Vereinzelt gab es uniformierte Frauen, die mit den militärischen Verbänden erfasst wurden, zum Beispiel Wehrmachtshelferinnen und "Braune Schwestern". Sie alle wurden auf der linken Rheinseite behelfsmäßig festgesetzt. Dadurch sollte verhindert werden, dass sie sich weiter an Kämpfen beteiligten oder die Ordnung in den Besatzungszonen störten.
Besonders in den ersten Wochen ging es den Internierten schlecht. Die Lager waren auf freiem Feld umzäunte und bewachte Flächen — ohne irgendeinen Schutz vor Regen, Kälte oder Sonne. Die Ernährung bemaß sich an dem, was auch den ehemaligen ausländischen Zwangsarbeitern und den vielen Flüchtlingen und KZ-Überlebenden, den sogenannten displaced persons (DPs) gegeben würde: etwa 1500 Kilokalorien täglich. Das schließt natürlich nicht aus, dass einige erheblich mehr ergatterten, andere dafür deutlich weniger. Genaue Angaben über die Zahl der in Rheinberg Festgehaltenen und dort Gestorbenen waren nicht zu ermitteln. Amerikanische Stellen sprachen von 483 Toten, die Stadt Rheinberg geht von 610 aus. Massengräber mit über tausend Leichen, wie im Internet behauptet, gibt es aber auf keinen Fall.
Doch zurück zu dem Mahnmal an die Kriegstoten aus Rheinberg. Das Objekt ist in Form und Größe für eine verhältnismäßig kleine Stadt wie Rheinberg ungewöhnlich. Es wurde im Jahr 1964 errichtet und am so genannten Tag der deutschen Einheit (17. Juni) eingeweiht. Die Diskussion, die schließlich zu diesem Ergebnis geführt hatte, begann allerdings bereits 1957.
Dabei wollte man in Rheinberg nicht den Weg gehen, der in den 1950er Jahren weit verbreitet war: vorhandene Kriegsdenkmale einfach mit dem Zusatz "1939 bis 1945" zu ergänzen. In Rheinberg hielt man dies angesichts der Reste alter Ehrenmale nicht für geeignet. Das Rheinberger Kriegerdenkmal aus der Kaiserzeit war während des Krieges seiner Metallteile verlustig gegangen und nur noch eine Ruine. Das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges war mit Eisernen Kreuzen und Siegerlorbeer dekoriert. Das empfand man in der Bürgerschaft angesichts der noch frischen Erinnerung an die Gräuel der NS-Diktatur und des Krieges als nicht angemessen. Im November 1960 traf ein Ausschuss nach intensiven Bürgergesprächen eine Entscheidung. Die letzte Hürde, die ausstehende Finanzierung, wurde durch eine Spendenaktion genommen: 56 000 Mark kamen aus der Bürgerschaft zusammen. Damit konnte ein Entwurf einer Denkmalanlage des Klever Architekten Toni Hermanns umgesetzt werden. Den Auftrag für die darin vorgesehene Plastik bekam der Bildhauer Fritz König aus Ganslberg bei Landshut. Königs bekanntestes Werk ist eine Skulptur, die vor dem World Trade Center in New York stand. Das beschädigte Kunstwerk erinnert heute an den Anschlag vom 11. September 2001.
Das "Tor der Toten" in Rheinberg findet in den letzten Jahren wieder stärkere Beachtung. Die Anlage wird gepflegt und soll durch ein erklärendes Schild ergänzt werden.
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