Aktuelles
<<< Termin 16.12.2011 >>> In Krefeld werden weitere Stolpersteine verlegt
So denn das Wetter mitspielt, werden am Freitag, dem 16. Dezember zum dritten Mal Stolpersteine in Krefeld verlegt. Der Schöpfer des Flächenkunstwerkes „Stolpersteine“ Gunter Demnig erhält diesmal tatkräftige Unterstützung von Auszubildenden der Bildungszentren des Baugewerbes.
Begleitet wird der Verlegetrupp von Götz Waninger, Vorstandsmitglied des Villa Merländer e.V.
Die Aktion soll um 9 Uhr an der Neußer Straße beginnen. Hier lebte die jüdische Familie Levy, die während der nationalsozialistischen Judenverfolgung auseinandergerissen wurde. Weitere Stolpersteine kommen an die Lewerentzstraße, Oelschlägerstraße, Dießemer Straße, Germaniastraße, Hohenzollernstraße, Inrather Straße, Geldernsche Straße und Nordstraße.
Jeder Stein steht für ein dramatisches menschliches Schicksal. Die knappe Inschrift beginnt immer mit dem Hinweis „Hier wohnte“, gefolgt von den Lebensdaten und Andeutungen über den Lebensweg. Bei der 23-jährigen Anna Hermes heißt es lapidar: deportiert 1943, Auschwitz, ermordet 5. 5. 1943.
Aber nicht alle Steine sollen an jüdische Menschen erinnern. Drei gelten dem Andenken an Opfer der NS-Euthanasie, nach der behinderte Kinder und seelisch Kranke Erwachsene als nicht „lebenswert“ betrachten und ermordet wurden.
Neben Einzelspendern, die sich ganz bestimmte Personen zu ihrem persönlichen Gedenken ausgewählt haben, gibt es diesmal auch wieder institutionelle Spender: eine evangelische Religionsgruppe der Albert Schweitzer-Schule, die Emmaus-Gemeinschaft, die SPD in Krefeld-Mitte, der Ortsverband von Bündnis 90/Grüne und die Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Krefeld e.V.
<<< Termin 8.12.2011 >>> Einladung zum Vortrag „Thorn Prikker und Campendonk – eine ideale Lehrer-Schüler-Beziehung?"
Am Donnerstag, dem 8. Dezember wird die Kölner Kunsthistorikerin Dr. Christiane Heiser um 19:30 Uhr einen Vortrag in der Villa Merländer halten. Ihr Thema lautet „Thorn Prikker und Campendonk – eine ideale Lehrer-Schüler-Beziehung?
Als der niederländische Monumentalkünstler Johan Thorn Prikker die Kunstakademie in Düsseldorf 1926 verließ, wurde Heinrich Campendonk sein Nachfolger auf der Professorenstelle für Wandmalerei, Glasmalerei, Mosaik und Gobelinweberei.
In dieser Hinsicht schloss sich ein Kreis, der 1905 mit dem Eintritt des gerade erst 15-jährigen Heinrich Campendonk als Schüler der Kunstgewerbeschule begonnen hatte. Mit der Begeisterungsfähigkeit eines sehr jungen Menschen verehrte und imitierte er seinen Lehrer, entwickelte jedoch in nur wenigen Jahren einen eigenständigen Stil.
Thorn Prikker war seit 1904 an der Werkkunstschule in Krefeld tätig. Er vermittelte seinen Schülern die technischen Grundlagen des Gewerbes, hielt sie aber auch zu freieren Arbeiten an. Die freundschaftliche Verbindung zu Campendonk blieb bestehen, auch als dieser auf das Geheiß des Vaters die Kunstgewerbeschule 1908 verlassen musste.
Dr. Christiane Heiser, Kuratorin der Thorn Prikker-Werkschau in Düsseldorf, ist der Frage nach der Substanz der Verbindung der beiden Künstlerpersönlichkeiten nachgegangen. Ihre Forschungsergebnisse wird sie erstmals in der Villa Merländer präsentieren.
Das Platzangebot in der Villa Merländer ist begrenzt. Sitzplätze können reserviert und bis zu 15 Minuten vor Beginn der Veranstaltung freigehalten werden. Anmeldung bitte per Email an ingrid.schupetta@krefeld.de oder unter Tel. 02151-503553 (AB).
<<< Termin 12.11.2011 >>> Villa Merländer e.V. feiert 20-jähriges Bestehen der Krefelder Gedenkstätte
Vor 20 Jahren, im November 1991, wurde die NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld durch den damaligen Oberbürgermeister Willi Wahl eröffnet. Die allererste Ausstellung in der ehemaligen Villa des jüdischen Textilhändlers Richard Merländer zeigte Fotos und Texte zum Alten Jüdischen Friedhof, ein Projekt von Prof. Michael Brocke.
Nach einem guten Start war die Krefelder Gedenkstätte immer wieder Gegenstand heftiger politischer Debatte. Die Einrichtung wurde zweimal umbenannt und musste zweimal – zumindest teilweise - umziehen. Heute befinden sich in der Villa Merländer die Ausstellungs- und Veranstaltungsräume, das "Spielzimmer" mit den Campendonk-Gemälden, sowie das Büro der langjährigen Leiterin der Einrichtung Dr. Ingrid Schupetta. Im Stadtarchiv, dem die NS-Dokumentationsstelle organisatorisch zugeordnet ist, lagern unter Obhut des Mitarbeiters Burkhard Ostrowski die Fachbibliothek, der "Giftschrank" mit nur eingeschränkt zugänglicher NS-Literatur und die kleine Sammlung, die aus Spenden zusammengetragen wurde.
Bei allen Veränderungen konnte - auch Dank tatkräftiger und finanzieller Hilfe des 1992 gegründeten Fördervereins Villa Merländer e.V. - das pädagogischen Angebot und das Veranstaltungsprogramm über die Jahre stets aufrechterhalten werden. Für den Villa Merländer e.V. ist das ein Grund, eine Jubiläumsfeier auszurichten. Und da diesmal knapp 200 Festgäste erwartet werden, findet die Veranstaltung im Jüdischen Gemeindezentrum an der Wiedstraße statt. Ab 19:30 Uhr werden die Vereinsvorsitzende Mechthild Staudenmaier, der Oberbürgermeister Gregor Kathstede und der Landtagsvizepräsident Oliver Keymis reden. Den überwiegenden Teil des Abends wird aber musiziert werden. Das Joscho Stephan Trio, verstärkt durch Helmut Eisel spielt Zigeunerjazz mit Klezmer-Elementen und soll für überwiegend gute Stimmung sorgen.
Einlass ist wg. der notwendigen Zugangskontrollen ab 19 Uhr. Parkplätze sind vor Ort nicht vorhanden. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei. Der Förderverein sammelt anlässlich des Jubiläums Spenden für die Reproduktion eines Fensters der Linner Synagoge. Es soll seinen Platz in der Ausstellung in der Villa finden. Die Kontonummer des Villa Merländer e.V. ist 34 82 50 bei der Sparkasse Krefeld [BLZ 320 500 00], Stichwort Spende Synagogenfenster. Ein Dutzend Plätze kann noch bis Donnerstag Abend per Mail (an ingrid.schupetta@krefeld.de) vergeben werden - Bestätigung bitte abwarten.
<<< Bericht 26.-28.10.2011 >>> Internationale Konferenz der Gedenkstätten in Paris Oktober 2011
Vom 26. bis zum 28. Oktober fanden im Pariser Mémorial de la Shoah eine internationale Konferenz und die Jahreshauptversammlung von IC MEMO, der weltweiten Organisation der Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer von Staatsverbrechen, statt. Als Mitglied des Internationalen Museumsverbandes ICOM und von IC MEMO hatte Dr. Ingrid Schupetta, die Leiterin der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld, Gelegenheit zur Teilnahme. Hier folgt ihr Bericht.
Zu Beginn der Konferenz gab es nicht nur Grußworte des Vorsitzenden Vojtech Blodig (Theresienstadt) und des ICOM-Generalsekretärs Julien Anfruns, sondern auch Ausführungen von Hubert Cain (Beirat des Mémorials) über die Gründung und Entwicklung der Gedenkstätte in Paris. Hubert Cain unterstrich vor allem die Rolle der Überlebenden bei der Errichtung und Entwicklung des Gedenkortes.
Einen ersten Diskussionsimpuls gab der Historiker und Publizist Georges Bensoussan mit seinem Thema "Der Holocaust zwischen Geschichte und Gedächtnis: Herausforderungen und Gefahren für die Bildungsarbeit". Bensoussan konstatierte, dass der Holocaust inzwischen fester Bestandteil des historischen Grundwissens sei. Allerdings laufe die reine Informationsvermittlung an einem wesentlichen Punkt vorbei: dem Widerspruch zwischen "modernen" Elementen (technischer Fortschritt, Arbeitsteilung) und "archaischen" Impulsen (Gewalt, Bösartigkeit, Fremdenfurcht). Auf der anderen Seite drohe eine Banalisierung von Auschwitz als einer allgemeinen Formel für "das Böse" und eine Ausweitung des Opferbegriffes, die der historischen Besonderheit des Judenmordes auch nicht gerecht wird.
Danach nahmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit war, das Mémorial im Rahmen einer Führung zu besichtigen: die Namenswände, die Gedenkhalle, die ständige Ausstellung und das Denkmal der ermordeten Kinder.
Der Nachmittag gehörte zwei Podiumsdiskussionen. In der ersten "Menschenrechts- und Toleranzerziehung in Holocaust-Gedenkstätten: aktuelle Diskussionen" ging es um die Frage, ob es in den Holocaust-Gedenkstätten eine Menschenrechtserziehung geben sollte. Die allgemeine Tendenz des Gesprächs war, dass eine Holocaust-Erziehung zwar nur auf der Basis der allgemeinen Kenntnis und Akzeptanz von Menschen- und Bürgerrechten erfolgen kann, dass die Vermischung verschiedener Themen nur zu allgemeiner Verwirrung führt. Selbst dort, wo im Rahmen mehrtätiger Seminare allgemeine Menschenrechte thematisiert werden (z.B. Anne-Frank-Haus) geschieht dies in separaten Themenblocks.
Die zweite Gesprächsrunde problematisierte die Einbeziehung der anderen Völkermorde des 20. Jahrhunderts in die Holocaust-Erinnerung. Der wissenschaftliche Vergleich – eindrucksvoll gezogen durch den Mediziner und Historiker Yves Ternon – zeigte gemeinsame Bedingungen (tödliche Ideologie, biologischer Rassismus, Materialismus, Kultur des Ausschlusses, der Entwertung und Zurückweisung, Schuldzuweisung, Krieg als Katalysator von Gewalt) und Wirkungen (Ausweitung der Opfergruppen, Bedrohung der Überlebenden, Leugnung). Aus der Kategorisierung kann sich durchaus eine Nutzanwendung ergeben. Das US-Holocaust Memorial Museum führt Fortbildungen für Militärs durch, in denen die Wahrnehmung geschärft werden soll, ob sich in einem Einsatzgebiet Indikatoren für einen bevorstehenden Völkermord zeigen. Trotzdem ergab sich auch hier eher die Tendenz, dass man sich in den Gedenkstätten mit der Geschichte auf möglichst konkreter Ebene beschäftigen sollte. Die Praxis zeigt, dass eine inhaltliche Überfrachtung die wohlmeinende Absicht schnell in die Knie zwingen kann.
Der erste Konferenz-Tag schloss mit einem Empfang durch die Beigeordnete für Kultur und Erinnerungswesen im Pariser Rathaus.
Der zweite Tag begann mit einer Exkursion nach Drancy, dem Ort an dem die Juden aus Frankreich (einschließlich der Flüchtlinge) zu Transporten nach Auschwitz gesammelt wurden. Vor Ort gibt es heute eine Denkmalensemble aus einer Skulptur, einer Wegstrecke Eisenbahnschienen und einem alten Güterwagen, der eine kleine Ausstellung enthält. Über das Gelände verteilt, gibt es mehrere Gedenktafeln, die aus verschiedenen Epochen stammen. Der Gebäudekomplex, der im Zustand des Rohbaus als Sammellager diente, ist derzeit von häufig wechselnden Mietern bewohnt. Er steht unter Denkmalschutz, bei Renovierungsarbeiten entdeckte Inschriften der internierten Juden wurden vor Ort nicht erhalten. Eine museale Präsentation wird ab dem nächsten Jahr in einen Neubau auf einem Gelände schräg gegenüber der "Cité de la Muette" eingerichtet. Die Entscheidung gegen den authentischen Ort war offenbar eine politische.
Am Nachmittag gab es einen weiteren wissenschaftlichen Vortrag. Der Historiker Denis Peschanski referierte über die französischen Lager während des Zweiten Weltkrieges. Internierungslager für "gefährliche" oder "unerwünschte" Personen, einschließlich solcher aus dem Ausland, waren bereits 1938 eingerichtet worden. Nach dem Sieg Francos in Spanien wurden die spanischen Flüchtlinge in Frankreich interniert — unter primitivsten Bedingungen, da das Provisorium schnell wieder aufgelöst werden sollte. Nach 1939 wurden Flüchtlinge aus Deutschland und aus Österreich plus Kommunisten (nach dem Deutsch-Sowjetischen Abkommen von 1939) und andere "Staatsfeinde" festgesetzt. 1940 wurden die aus dem Südwesten Deutschlands und den annektierten Teilen Frankreichs ausgewiesenen Juden im Internierungslager Gurs zusammengepfercht, wenig später auf die anderen Lager (Noé, Le Vernet, Les Milles, Rivesaltes, Récébédou) verteilt. Die meisten, die diese Lager überlebten, starben 1942 in den deutschen Vernichtungslagern im Osten. Der Vichy-Regierung kam die bestehende Gesetzeslage zupass, entsprach sie doch durchaus der Mentalität einer nach traditionellen Werten organisierten französischen Nation (in einem nationalsozialistisch beherrschten Europa).
Im Anschluss wurden eine Reihe neuer Projekte vorgestellt: das "Musée de l’Holocaust et Droit de l’Homme" in Mechelen (Schwerpunkt Verfolgung aus rassistischen Gründen: "Juden" und "Zigeuner" in Belgien), das Museum in der alten Ziegelei von Les Milles (Besonderheit: ein rein französisches Internierungslager, in dem besonders viele Intellektuelle und Künstler einsaßen) und das Jüdische Museum in Warschau (Geschichte des polnischen Judentums bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges). Weitere französische Erinnerungsorte entstehen in Rivesaltes (Internierungslager), am Bahnhof von Bobigny (von dort gingen die Züge in Richtung Osten ab) und Chaumont.
Die letzten beiden Sitzungen beschäftigten sich mit den Themen Raubkunst und – an Hand eines Vortrages von Pina Rosenberg – mit Kunst in französischen Lagern.
Die Jahreshauptversammlung begann mit Berichten des Vorsitzenden Vojtech Blodig und der Schatzmeisterin Christiane Hoss. Der Vorsitzende äußerte den Wunsch, dass mit seinem designierten Nachfolger Jon Reitan die Vorstandsarbeit intensiviert, der Internet-Auftritt verbessert, jüngere Mitarbeiter einbezogen und die derzeitige Konzentration der Mitgliedschaften auf Europa aufgehoben werden kann. Ein Faltblatt soll für Werbezwecke angefertigt werden. Die Finanzen werden nun über ein Konto des gemeinnützigen EL-DE-Haus in Köln verwaltet. Die Steuerfreiheit könnte ein Vorteil werden, falls je größere Geldbeträge bewegt werden müssen — was derzeit bei ausgeglichener Haushaltslage nicht der Fall ist.
Den Teilnehmern wurde ein verabschiedungsreifes Papier vorgelegt. In englischer Sprache wird darin eine Internationale Charta der Gedenkstätten festgelegt. Die Charta muss von der ICOM-Exekutive und dem darauffolgenden Plenum verabschiedet werden, um als inhaltliche Basis von IC MEMO gelten zu können.
Es folgte ein Bericht von einer IC MEMO-Konferenz in Santo Domingo anlässlich der Eröffnung des "Museo Memorial de la Resistencia Dominikana" im Mai 2011. Die neue Gedenkstätte erinnert an die Opfer der Trujiillo-Diktatur. Aus nahe liegenden Gründen konnten bei dem Treffen unter dem Motto: "Memoria y Justicia: Como los Museos, Archivos y Centros de Memoria Histórica contribuyen al desarrollo democrático de la Sociedad" (Erinnerung und Gerechtigkeit: Wie die Museen, Archive und Gedenkstätten zur demokratischen Entwicklung der Gesellschaft beitragen) in der Dominikanischen Republik wesentlich mehr Mitarbeiter aus lateinamerikanischen Einrichtungen teilnehmen, als bei denen in Europa.
Das Jahrestreffen 2012 soll im Oktober in Katalonien stattfinden. Die Mitglieder bekamen einen kleinen Einblick in die sich dort entwickelnde Erinnerungslandschaft, die u. a. spannende Einblicke in die historische Funktion der Grenzlandschaft vermittelt. Ein Besuch des Benjamin-Denkmals von Dani Karavan in Port Bou soll auf jeden Fall auf dem Programm stehen.
Im Jahr 2013 wird die Generalversammlung von ICOM in Rio de Janeiro abgehalten werden. Luisa de Pena aus Santo Domingo richtete einen dringlichen Appell an die anwesenden Europäer, dass sie die Chance eines zeitgleichen Jahrestreffens in Brasilien wahrnehmen sollten. Wenn es IC MEMO ernst wäre mit einer Ausweitung auf nicht-europäische Gedenkstätten, dann wäre eine Jahreshauptversammlung in Lateinamerika nahezu unerlässlich. Immerhin hätte man ab sofort zwei Jahre Zeit, das nötige Geld zusammenzusparen.
Das Jahrestreffen schloss, ohne dass den Ausführungen unter dem Punkt „Verschiedenes“ noch etwas beizufügen gewesen wäre.

Die Teilnehmer vor der Wand der Namen der aus Frankreich deportierten Juden. Foto: Schupetta.

Zentrale Skulptur des Mahnmals in Drancy – im Hintergrund der Rohbau des künftigen Museums. Foto: Schupetta.

Gedenkstättenmitarbeiter auf dem Weg zum Ausstellungswaggon in Drancy. Foto: Schupetta.
<<< Pressemitteilung 13.9.2011 >>> "Thorn Prikker und Campendonk - eine ideale Lehrer-Schüler-Beziehung?"
Nicht nur Kunstinteressierte sind für Donnerstag, den 22. September, 19.30 Uhr in die Villa Merländer (Friedrich-Ebert-Str. 42, 47799 Krefeld) eingeladen. Dort wird Dr. Christiane Heiser aus Köln einen Vortrag halten. Frau Dr. Heiser war die Kuratorin der soeben zu Ende gegangenen Thorn Prikker-Werkschau in Düsseldorf. Sie ging der Frage nach der Substanz der Verbindung der beiden Künstlerpersönlichkeiten nach. Ihre Forschungsergebnisse wird sie erstmals in der Villa Merländer präsentieren.
Als der niederländische Monumentalkünstler Johan Thorn Prikker die Kunstakademie in Düsseldorf 1926 verließ, wurde Heinrich Campendonk sein Nachfolger auf der Professorenstelle für Wandmalerei, Glasmalerei, Mosaik und Gobelinweberei.
In dieser Hinsicht schloss sich ein Kreis, der 1905 mit dem Eintritt des gerade erst 15-jährigen Heinrich Campendonk als Schüler der Kunstgewerbeschule begonnen hatte. Mit der Begeisterungsfähigkeit eines sehr jungen Menschen verehrte und imitierte er seinen Lehrer, entwickelte jedoch in nur wenigen Jahren einen eigenständigen Stil.
Thorn Prikker war seit 1904 an der Werkkunstschule in Krefeld tätig. Er vermittelte seinen Schülern die technischen Grundlagen des Gewerbes, hielt sie aber auch zu freieren Arbeiten an. Die freundschaftliche Verbindung zu Campendonk blieb bestehen, auch als dieser auf das Geheiß des Vaters die Kunstgewerbeschule 1908 verlassen musste.
Hinweis: Das Platzangebot in der Villa Merländer ist begrenzt. Sitzplätze können reserviert und bis zu 15 Minuten vor Beginn der Veranstaltung freigehalten werden. Anmeldung bitte per Email an ingrid.schupetta@krefeld.de oder unter Tel. 02151-503553 (AB).
<<< Termin 29.9.2011 ff >>> "Campendonk in der dritten Dimension"
Kurz-Kurs mit praktischen Arbeiten für Erwachsene in der Villa-Merländer
Sind Sie mitunter eifersüchtig oder gar neidisch, wenn Sie sehen, was für ein tolles museumspädagogisches Angebot in den Museen landauf / landab für Kinder und Jugendliche angeboten wird? Sind die eigenen Kinder oder Enkel schon zu groß, als dass man sich noch gemeinsam mit ihnen ganz handgreiflich mit Kunst beschäftigen könnte? Dann gehören sie wahrscheinlich genau zu der Zielgruppe, die der Villa Merländer e.V. mit Hilfe der Künstlerin Doris Kaiser einladen will.
An drei Donnerstagnachmittagen wird der Wintergarten in der Villa Merländer zum Kleingruppenatelier. Mit Ton soll nachgebildet werden, wozu die Wandbilder Heinrich Campendonks inspirieren. Eine Einführung in die Wandbilder gibt Dr. Ingrid Schupetta am 29. September. Auch an den beiden anderen Kurstagen können die Bilder immer wieder "abgeglichen" werden.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen sich bis zum 20. September angemeldet haben. Der Kostenbeitrag für Material liegt bei 10 Euro. Der Villa Merländer-Verein verlässt sich (wie immer) darauf, dass es für den Ausgleich der sonstigen Kosten Spenden von denen gibt, die ihre Wertschätzung eines solchen Angebotes auch auf diese Weise ausdrücken können.
Donnerstag, 29. September 2011, 13.00 bis 16 Uhr
Folgetermine: Donnerstag, 6. Oktober 2011 Donnerstag, 13. Oktober 2011
<<< 24.8.2011 >>> Exkursion des Villa Merländer-Vereins nach Wuppertal
Trotz des ernsten Themas hatte eine kleine Gruppe von Freunden und Förderern der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld bei einem Ausflug in die Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal am 24.8.2011 durchaus Vergnügen. Die Gruppe erweiterte ihr Wissen und lernte die Gedenkstätte einer anderen Stadt kennen. Ein geführter Rundgang begann mit Informationen zum Ort. Die einst im Stadtzentrum von Elberfeld gelegene große Synagoge war während des Novemberpogroms 1938 zerstört worden. Lange Jahre war dort eine Brachfläche, die als wilder Parkplatz genutzt wurde.
Eine Gruppe von Wuppertalern machte sich in den 1980er Jahren für einen Gedenkort stark. 1994 konnte ein beeindruckender Baukörper, der sich aus mehreren Segmenten zusammengesetzt, der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Bis in den zentralen Kubus eine moderne Ausstellung über die Geschichte des Judentums in Wuppertal und der Region einziehen konnte, vergingen aber noch mal einige Jahre.
Dafür ist die neue Dauerausstellung ein attraktiver Ort geworden. Statt störanfälliger Technik gibt es solide Mechanik - in exzellenter handwerklicher Ausführung. Der eilige Besucher kann sich auf die großen Texte und offensichtlichen Ausstellungsstücke beschränken und grundlegende Informationen mitnehmen. Das Kind im Menschen wird jedoch durch eine Vielzahl von Klappen, Schranktüren und Schubladen geweckt, hinter bzw. in denen zusätzliche Informationen schlummern. Ein getreues Modell der Synagoge vermittelt einen Eindruck, wie es vor Ort einst ausgesehen hat. Das Modell aus feinstem Holz ist das einzige Objekt, das man nicht anfassen sollte. Wer noch mehr wissen möchte, kann sich einen Hörführer ausleihen.
Natürlich kommen auch die Themen Antisemitismus, NS-Politik und Judenmord vor. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf der Emanzipationsgeschichte, die an Familiengeschichten dargestellt wird. Einigen gelang in zwei, drei Generationen ein eindrucksvoller sozialer Aufstieg. Und hieraus entwickeln sich durchaus aktuelle Fragen, z. B. nach der sozialen Durchlässigkeit der heutigen Gesellschaft, nach den Alternativen größtmöglicher Einheitlichkeit oder Wertschätzung von Unterschieden. |