Die Geschichte der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld

Die NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld, damals noch NS-Dokumentations- und Begegnungszentrum (später Villa Merländer) wurde am 24. November 1991 durch den damaligen Oberbürgermeister Willi Wahl eröffnet. Das Haus in der Friedrich-Ebert-Str. 42 war erst 1989 als Ort entdeckt worden, in dem sich Wandbilder des als "entartet" verfemten Heinrich Campendonk befanden. Campendonk hatte sie 1925 für den 1942 in Treblinka ermordeten jüdischen Kaufmann Richard Merländer auf die Wände seines Spielzimmers gemalt. Die Eröffnungsausstellung der neuen Gedenkstätte zeigte Fotos von Krefelder Grabsteinen, die in Zusammenhang mit der Erforschung der Jüdischen Friedhöfe durch Prof. Michael Brocke entstanden waren.

1991 bis 1994 - Jahre des Aufbaus

In den ersten Jahren befand sich die gesamte Einrichtung in dem Haus an der Friedrich-Ebert-Straße: Büro, Bibliothek, Sammlung, Seminarräume, Veranstaltungssaal und Ausstellungsräume für die ständige Ausstellung sowie Sonderausstellungen. Die beiden festen Mitarbeiterinnen wurden durch zeitlich befristet eingestellte Wissenschaftler und Praktikanten unterstützt. Mit dieser Ausstattung konnten rasch wechselnde Ausstellungen übernommen und eigene Präsentationen erarbeitet werden - wie die zur Erinnerung an den großen Luftangriff auf Krefeld im Jahre 1943. Dem informellen Kreis der Freunde und Förderer zum Beispiel in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, dem Verein für Heimatkunde und der Krefelder Geschichtswerkstatt trat 1992 ein eigener Förderverein zur Seite, der Villa Merländer e.V.

1994 bis 1999 - Sparmaßnahmen und Neuorientierung

In den Jahren 1994 und 1995 wurde die Arbeit in der Villa Merländer durch eine auch überregional geführte Debatte um Einsparmaßnahmen bei der Begegnungsstätte überschattet. Nach einem entsprechenden Beschluss des Rates im Dezember 1995 zogen die Mitarbeiterinnen ins Stadtarchiv um, wo sich seit dem Verwaltung, Sammlung und Bibliothek der NS-Dokumentationsstelle befinden. Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen finden weiterhin in der Friedrich-Ebert-Str. 42 statt. Von den beiden Personalstellen wurde eine halbe umgewidmet. Sonstige Stellen entfielen.

Trotz dieser weniger günstigen Umstände wurden Forschungs- und Aufklärungsarbeit zum Nationalsozialismus in Krefeld fortgesetzt. 1995 konnte mit der Ausstellung „Krefeld ‘45“ eine große Eigenproduktion der NS-Dokumentationsstelle gezeigt werden, die das Kriegsende vor 50 Jahren thematisierte. Zum Holocaust-Gedenktag 1998 kam Michel Friedman, Mitglied des Zentralrates der Juden, nach Krefeld. Er eröffnete in der Villa Merländer die Ausstellung „Auschwitz- Bilder einer Winterreise“ von Ingrid Schupetta.

Im April 1998 stellte Oberbürgermeister Pützhofen die von dem Restaurator Horst Hahn freigelegten Wandgemälde Heinrich Campendonks der Öffentlichkeit vor. In nur sechs Tagen kamen über 2.000 Besucherinnen und Besucher.

Nach 1999 - Konsolidierung

In den Jahren seit 1999 wurde die Arbeit der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld fortgesetzt. Seit 2000 wird sie zusätzlich durch ein Kuratorium unterstützt, in dem bis zu 21 bekannte Krefelderinnen und Krefelder beratend und fördernd mitwirken. Allerdings musste zwischenzeitlich das Angebot an Ausstellungen und Publikationen eingeschränkt werden. Auch der Verlust der pädagogischen Mitarbeiterin konnte nur teilweise kompensiert werden.

Trotzdem gelang es der NS-Dokumentationsstelle immer wieder Glanzlichter zu setzen. Einige Beispiele:

  • 2001 Symposion zu Ehren Aurel Billsteins
  • 2003 Festakt und Veranstaltungsprogramm in Kooperation mit vielen anderen Kulturanbietern zwecks Erinnerung an die Einweihung der Synagoge am 17. Juni 1853 unter dem Motto "150 Jahre Synagoge Petersstraße"
  • 2008 Ausstellung "Pogrom in Krefeld - nach 70 Jahren"

Generell konnte weiterhin ein kleines Veranstaltungsprogramm angeboten werden - durch die Unterstützung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, der Geschichtswerkstatt und des Villa Merländer e.V.. Dabei war es immer wieder möglich auch überregional bekannte Referenten wie z. B. den Berliner Publizisten und Politikwissenschaftler Prof. Dr. Götz Aly zu gewinnen. Die wissenschaftliche Arbeit der NS-Dokumentationsstelle schlug sich in einem Beitrag des Mitarbeiters Burkhard Ostrowski in der Stadtgeschichte und in einer ganzen Reihe von Artikeln in Zeitschriften wie "Die Heimat", "Der Niederrhein" und "Augenblick" nieder.

Besonders erwähnt werden sollte noch ein Ereignis von internationaler Bedeutung: Aufgrund einer Initiative aus dem Umfeld der Villa Merländer wurde die Krefelderin Anna Tervoort 1997 vom Staat Israel als "Gerechte unter den Völkern" geehrt.

Die NS-Dokumentationsstelle ist als Mitglied des Arbeitskreises der Gedenkstätten NRW und des ICMemo regional und überregional vernetzt. Für die ehemaligen Krefelder Juden und deren Nachkommen ist sie zu einer Anlaufstelle geworden, und stellt - nicht nur für sie - gleichzeitig ein Ort des Gedenkens und der Information dar.

Bisherige Ausstellungen

Eine Chronik unserer bisherigen Ausstellungen in der Villa Merländer finden Sie hier: Ausstellungschronik