Die Wandgemälde Heinrich Campendonks

In der Villa Merländer befinden sich zwei Wandgemälde von Heinrich Campendonk. Der Maler wurde 1889 in Krefeld geboren und erhielt an der Werkkunstschule eine Ausbildung. Seine Wandbilder aus dem Jahr 1925 waren jahrzehntelang durch Tapeten verdeckt und erst 1989 wiedergefunden worden. 1997/98 wurden sie freigelegt und restauriert. Seitdem sind sie wieder zu sehen. Die beiden Bilder sind die letzten im Haus noch vorhandenen Reste von mehreren Campendonk-Arbeiten, die im Auftrag Richard Merländer angefertigt wurden.

Sie zeigen mehrere für Heinrich Campendonk typische Motive, die sich mit Darstellungen aus dem Leben Richard Merländers verbinden. Links im linken Bild ist z. B. das Dienstfahrzeug der Firma Merländer, Strauß und Co zu erkennen - der Fahrer wohnte direkt neben dem Auto unten im Haus. In der Mitte in diesem  Bild sind drei katzenähnliche Tiere, die gleichzeitig wild und verspielt aussehen. Besonders die Farben erinnern an die enge Beziehung zwischen Heinrich Campendonk und Franz Marc, einem Künstlerfreund aus der Gruppe „Der blaue Reiter“, mit dem Heinrich Campendonk in Bayern sehr eng zusammenarbeitete. Ein Billardtisch weist auf den ursprünglichen Zweck des Raumes als Spielzimmer Richard Merländers hin; genau wie die Karten, Würfel und das Schachbrett auf der gegenüberliegenden Wand.

Dort wird auch das Thema Variete und Zirkus dargestellt: mit einem missmutigem schauenden Clown, der auf den Händen steht, einer Reiterin auf rotem Pferd und einer flügelschlagenden Gans auf heißem Eisen. Die Mitte dieses Bildes ist vergleichsweise ruhig. Eine Vase mit Sonnenblumen steht auf einem mit Einlegearbeiten geschmückten Tisch. Beide Bilder sind überraschend bunt. Campendonk suchte auch die Farben für den Rest der Wände, Boden und Decke aus, so dass der ganze Raum ein Kunstwerk ist, in das man hineingehen kann.

Heinrich Campendonk (geboren 1889) war seit 1911 Mitglied der Künstlergruppe Der blaue Reiter. Nach dem sich die Gruppe aufgelöst hatte, kehrte er 1922 in seine Heimatstadt Krefeld zurück. Der Düsseldorfer Mäzen Paul Multhaupt hatte hier ein Haus für ihn bauen lassen. 1926 wurde Heinrich Campendonk Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf. Im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung der Hochschulen wurde er 1933/34 entlassen. Die Kunst Heinrich Campendonks galt den Nationalsozialisten als "entartet". Seine Bilder mussten aus den Museen entfernt werden, viele seiner Werke sind später durch Kriegseinwirkungen zerstört worden. Campendonk emigrierte in die Niederlande, wo er Professor an der Kunstakademie in Amsterdam wurde. Heinrich Campendonk starb 1957 in Amsterdam.

Öffnungszeiten Villa Merländer:

Ausstellung:
Mittwochs von 9:00 bis 12:00 Uhr,
sowie
jeden 4. Sonntag im Monat
von 14.00 bis 17.00 Uhr
Gruppen nach Vereinbarung!

Campendonk-Raum:
Mittwochs von 9:00 bis 12:00 Uhr,
sowie
jeden 4. Sonntag im Monat
von 14.00 bis 17.00 Uhr
und am Tag des offenen Denkmals

Literaturtipps

Ingrid Schupetta: Richard Merländer - Nachforschungen über einen Unbekannten, erschienen in: Die Heimat, Ausgabe 64/1993, Seiten 60 ff.

Andrea Firmenich: Heinrich Campendonk 1989 - 1957. Leben und expressionistisches Werk, Recklinghausen 1989.

Gisela Geiger und Anne Beutler (Hrsg.): Heinrich Campendonk. Oberbayern - Station Penzberg, Penzberg 2002 (Katalog)

Gisela Geiger (Hrsg.): Heinrich Campendonk. Rausch und Reduktion, Köln 2007 (Katalog)

Gisela Geiger (Hrsg.): Heinrich Campendonk. Gesetze der Linie und Form, Penzberg 2008 (Katalog)

Ingrid Schupetta: Die Wandgemälde Heinrich Campendonks, Die Heimat Ausgabe 69/1998, Seiten 85 - 92

Ingrid Schupetta: Die amerikanische Freundin – Katherine Sophie Dreier, in: Heinrich Campendonk. Die zweite Lebenshälfte eines Blauen Reiters. Von Düsseldorf nach Amsterdam, Zwolle 2001 (Katalog) Seiten 74 bis 87

Ingrid Schupetta: Die Wandmalerei von Heinrich Campendonk, in: Heinrich Campendonk. Die zweite Lebenshälfte eines Blauen Reiters. Von Düsseldorf nach Amsterdam, Zwolle 2001 (Katalog) Seiten 88 bis 99

Ingrid Schupetta: Krefeld, Kronenburg und das Kultusministerium. Warum Heinrich Campendonk Niederländer blieb, in: Rausch und Reduktion. Heinrich Campendonk 1889 - 1957, Gisela Geiger (Hrsg.), Köln 2007 (Katalog) Seiten 109 bis 135

Ingrid Schupetta: Heinrich Campendonks letzte Lebensjahre im Zwiespalt zwischen Amsterdam und dem Rheinland, in: Die Heimat, Ausgabe 78/2007, Seiten 82 bis 89